BUCHCOVERREZENSION
Tutii EiskalteHoelle

KAI MEYER & LISANNE SURBORG –

Imperator

Finstere Mächte planen. Zu jeder Zeit war das so und schon immer war das Ziel, Macht. Wer ihnen dabei in die Quere kommt, kann ganz schnell im Nichts verschwinden, je nach Belieben, wie die Herrschaften das wollen. Anna hat Probleme. Ihre Mutter wurde in Rom ermordet und als Hauptverdächtiger gilt ihr Vater, der jetzt im Knast sitzt und sich an nichts erinnern kann. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen waren hier allerdings nicht geplant und auch nicht gewollt. Nur kann Anna das nicht glauben. Kai Meyer ist, unbestritten, einer der exzellenten Schriftsteller des phantastischen Literaturressort. Diesen Ruf kann er auch in diesem Buch wieder unterstreichen. 1965 ist Annas Schicksalsjahr, in dem sie sich aufrafft endlich aus ihrem Wattebausch aufzuwachen, in dem sie seit einem Jahr, nach dem Tod ihrer Mutter, vor sich hin döst. Sie will endlich die Wahrheit wissen und reist nach Rom, wo ihr Onkel Bruno als Pressefotograf und Paparazzi arbeitet. Ihr Interesse an Fotografie leistet ihr Schützenhilfe bei der Aufnahme in eine Gruppe von Fotojägern, die immer auf der Suche nach dem Schnappschuss sind, der sich gut verkaufen lässt. Und genügend Ziele gibt es in Rom, Mitte der Sechziger Jahre, wo Filmstars, schon vergangene oder erst werdende, sich die Klinken in die Hand drücken und sich auch schon mal vor so manche Linse schieben. In dieser Gruppe trifft sie Stefano, alias Spartaco. Doch die scheinbar heile Welt in der Tibermetropole ist gerade im Umbruch, man trauert in manchen Kreisen dem Duce hinterher, obwohl der schon seit über zwanzig Jahre Geschichte ist. Eine Gruppe von geistig umnachteten, dafür aber stinkreichen Menschen sieht sich als Inkarnationen von römischen Kaisern und anderen höher gestellten Persönlichkeiten der Antike und erhebt den Anspruch besser zu sein, als andere Leute und somit das unverbrüchliche Recht haben zu herrschen und den Rest der Welt in die Tonne zu treten. Wer dabei nicht mitspielt, hat ausgespielt, so der Maler Fausto, der gerade das zeitliche hinter sich gelassen hat, weil er einigen im Wege stand. Privatdetektiv Gennaro Palladino soll Licht ins Dunkle bringen und hier kreuzen sich die Wege von Anna Savarese und dem Privatschnüffler. Noch kann keiner das Ausmaß abschätzen, man weiß ja noch nicht einmal, worauf man sich eingelassen hat und doch steht man schon bald im Fadenkreuz von wahnsinnigen Möchtegern-Weltherrschern, die sich ein Kaisertum nach Vorbild der Antike und eine Diktatur nach Art von Mussolini wünschen und dabei jegliche Empathie vermissen lassen, die ist auf ihrem Weg nur hinderlich. Kai Meyer und Lisanne Surborg malen ein düsteres Gesellschaftsbild, das sich hinter den Kulissen des öffentlichen Lebens abspielt, die Parallelen zu heute sind nicht zu übersehen. Pflichtlektüre für alle, die urbane Fantasy mögen. Und auch für alle, die eine Corona-Pandemie für unglaubwürdig halten, statt dessen sagen, Plandemie. Was plausibel klingt.

(Knaur)

ISBN 978-3-426-52717 -7 392 Seiten 14,99€ (D) 15,50€ (A)

KAI MEYER – Rattenzauber – Archiv Juni 2014
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