BUCHCOVERREZENSION
Meyer.k Rattenzauber

KAI MEYER  –

Der Rattenzauber

Die Historie vom Rattenfänger zu Hameln ist interessante Lektüre, egal, ob Sage oder historischer Roman. So hat Kai sich dem Thema verschrieben und kreiert, für den Leser, einen Geschichtsexkurs ins Jahr 1248, ins Zeitalter des Endes der Kreuzzüge ins Geheiligte Land, wo die muslimische Welt so um 1244 endgültig die Kontrolle übernahm, die christlichen Expansionen zwar nicht wirklich beenden konnte, sie jedoch, für lange Zeit, in die Schranken wies. Kai ist kein Professor für Historie, also ist hier kein trockener Lernstoff eingebunden, sondern ein spannender Roman aus einer Zeit, in die so manche Fantasie gerne einen Abstecher macht, Ritter, Edelfrauen, das ganze bunte Klischee. In den Mittelpunkt rücken zwei Städte, Hameln, wo einhundertdreißig Kinder spurlos verschwinden und Braunschweig, dem Sitz des Herzogs Heinrichs. Hameln gehört zu seinem Herrschaftsgebiet. Um die Katastrophe um die verschwundenen Kinder aufzuklären schickt Heinrich von B. einen jungen Ritter in die Stadt des Tatortes eines Rattenfängers, Robert von Thalstein soll die Fackel der Aufklärung zu diesem Fall tragen. Schreiber Kai lässt so manche reale Figur aufmarschieren und erweckt das Mittelalter wieder zum Mit(-er)leben. So trifft Ritter Robert erstmal Dante Alighieri, damals neunzehn Jahre alt und auf den Spuren der Hölle, bevor der Meister der Dichtkunst wirklich Fahrt aufgenommen hatte, um seine „Divina Commedia“  zu publizieren. Meyer mischt reale und fiktive Personen zu einem bunten Gemenge, sogar der Rattenfänger taucht auf. Er kommt zwar nicht zu Wort, aber hier wird schnell klar, dass der Mann zur Realität eines Justizirrtums wurde, oder eher zum Bauernopfer gestempelt wird, da einige Leute ganz andere Interessen haben. Der Kinderkreuzzug von 1212 ist ja noch nicht so lange her, könnte ja sein. Kai Meyer hat eine blühende Fantasie, ohne Frage. Und so rollt er den Fall komplett neu auf, nur ist hier nicht CSI Miami auf dem Bildschirm, sondern Ritter Robert mit seinen Ermittlungen, die, je nach Möglichkeiten, von der Hamelner Bevölkerung sabotiert werden. Er ist ein Kind dieser Stadt, wenn auch mit einer, ziemlich missratenen Vergangenheit. Nur waren die Bevölkerungszahlen damals nicht so groß, wie heute, man erinnert sich und so gerät er ins Kreuzfeuer. Kai schmückt das, genüsslich, aus. Er mischt die deutsche Sage mit einem hochexplosiven Thriller, besser geht es kaum.

(Editionnova)

362  Seiten