BUCHCOVERREZENSION
Tutii EiskalteHoelle

SOPHIE HÉNAFF –

Mission Blindgänger

Mit Sophie Hénaff ist ganz bestimmt Heiterkeit angesagt. „Mission Blindgänger“ ist ein Kringelbuch vom feinsten. Im + werden die einzelnen Figuren noch einmal vorgestellt, wie sie im Vorbuch charakterisiert wurden. Kurz und knapp natürlich. Sollte man vielleicht vorher lesen, wenn man das weiß. Hat man den ersten Teil nicht gelesen, sollte es hier kein Abbruch sein, mit dem zweiten doch schon mal anzufangen. Nr. 1 kann man ja dann zeitnah nachholen. Muss man nicht wirklich, aber wäre doch ratsam. Aber immer eins nach dem anderen. Polizeicapitan Eva Rosière hat ihre Karriere auf Eis ge- und sich auf das Romanschreiben verlegt. Und damit sogar Erfolg. Ihre Bücher verkaufen sich gut und werden Bestseller und jetzt sogar verfilmt. Leider hat der Regisseur Michel Ambitionen sich als Co-Autor zu verewigen. Dabei verändert er das Drehbuch sogar, was Eva ja nun gar nicht in den Kram passt. Es ist die Geschichte ihrer Einheit, so wie sie sie sieht. Änderungen am Drehbuch sind unerwünscht. Morddrohungen kommen ihr über die Lippen. Und schon liegt der angehende Drehbuch-Co-Autor erstochen auf dem Sofa im Büro seines Produzenten. Was dann die Mordkommission auf den Plan ruft. Nur hat der Chef andere Pläne, ist ja ein guter Freund von Eva, die jetzt richtig aktiv wird. So wird die Gurkentruppe wieder organisiert, die man eigentlich aufs Abstellgleis, Richtung Nord- oder Südpol, oder gleich ins Zentrum der Galaxis durchzirkeln wollte, aber Eva hat ganz große Hoffnung, das dieses Chaotenteam doch ganz gute Arbeit in Sachen Aufklärung leisten wird, gerade dann, wenn Anne Capestan, nach ihrer Niederkunft und Geburt ihres Kindes aus dem Mutterschaftsurlaub wieder in den Schoß der Einheit zurückkehrt und die Zügel übernimmt. Sophie nimmt sich des geflügelten Sprichwortes an, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Das Chaos erhebt das Haupt und hat nicht die Absicht, sich so schnell wieder auf der Chaisselonge niederzulassen. Das Buch ist eine Tagesaufgabe, da pflügt man ganz schnell durch, mit ganz vielen wiehernden Momenten, die einen sagen, man sollte beim Lesen doch lieber die Öffentlichkeit meiden. Wenn man sich die Gesichtsmaske in den den Zeiten von Corona von der Nase reißt, weil man vor Lachen keine Luft mehr bekommt, könnte das so einige, mehr oder weniger nicht aufgeschlossene, Leute auf den Plan rufen, die doch sehr unwirisch reagieren werden und die sind in diesen Zeiten ja doch stark in der Überzahl. Obwohl, Vernunft war noch nie das Markenzeichen dieser „demokratischen“ Gesellschaftsordnung. Thomas Mann und sein „Untertan“, samt seinem vorauseilendem Gehorsam, lassen mal recht freundlich grüßen. Und IM „Erika“ ist Bundeskanzlerin.
Eva will jetzt ihre Unschuld beweisen und Anne Capestan hat ihre Tochter im Schlepptau, deren Vater aber noch im Knast sitzt, das kann doch nur schief gehen. Der Film muss termingerecht fertiggestellt werden, aber die eigentlichen Schauspieler verkrümeln sich. Eva hat eine grandiose Idee, wie beides unter einen Hut gebracht werden soll. Die Blindpesentruppe soll nicht nur Polizeiarbeit leisten, sondern auch noch in dem Film mitwirken, immerhin ist das ja ihre eigene Geschichte, die sie zelluloidmäßig gebannt, zum Besten geben sollen. Und sie selbst übernimmt die Regie. Mittendrin immer zwei kleine Darsteller. Eine im Kinderwagen oder im Tragetuch oder auch auf Kleinkinderabwegen, die wir alle mal durchgemacht haben müssen, aber heute mit Kopfschütteln betrachten wollen, sabbernd, tatschend. Joséphine. Ähnlichkeiten zum Lebenslauf Napoleons können hier definitiv ausgeschlossen werden, Anne Capestans Tochter, deren Vater noch gesiebte Luft einzehrt und Pilou, Evas Promenadenmischungshund, der sich weigert ein Hundehalsband von Louis Vitton zu tragen. Hunde, oder die sich als solche bezeichnen wollen, selbst wenn ihnen der Wolf nicht wirklich aus den Augen blitzt, haben eben auch ihren Stolz. Wer, bitte, trägt Schwachsinn ans Tageslicht, wenn man vom Tierarzt nebenan was besseres, preiswerteres und auch weit bequemeres geboten bekommt. Den Überpreis könnte man einem Tierheim spenden. Pilou, jetzt nebenberuflich auch als Drogenhund tätig, hat da so eigene Ansichten. Joséphine sowieso, deren kleine Finger immer irgendwo beschäftigt sind, sehr zum Leidwesen von anderen Menschen, deren Sinnesorgane diesen Interaktionen zum Opfer fallen. Augen, Nasen, Ohren. Das Mädchen ist auf den Spuren ihrer Mutter und will mal, wenn man die letzte Windel entsorgt hat, eine gute Ermittlerin werden. Das Papa noch hinter schwedischen Gardinen sitzt, auch wenn die französischer Herkunft sind, hat für sie ja noch keine Bedeutung. Mami schleppt sie auf den Tatorten herum, gegen den Willen ihres Vorgesetzten, aber das hat der sich selbst zuzuschreiben. Für Joséphine ist das der Beginn einer unglaublichen Lehre. Sophie Hénaff hat ein gut unterhaltsames Buch vorgelegt, das schon guter Wahnsinn ist, also Leute... knipst die Leseleuchte an, lohnt sich.
(C.Bertelsmann)

ISBN 978-3-570-10397-5 304 Seiten (Mit +) 15,00€ (D) 15,50€ (A)