BUCHCOVERREZENSION
Tutii EiskalteHoelle

KATHARINA V. HADERER –

Der Garten der schwarzen Lilien

Schnaps! Das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort? Hatten wir schon mal. Jetzt dröhnt man sich richtig zu. Die landwirtschaftlichen Geräte, die einem das Ende bedeuten könnten, wenn man dann darauf fällt, hat Katharina V. Haderer, vorsorglich, schon mal beiseite geräumt. Dafür besucht sie so manche Suchthöhle, und da will man nicht wirklich sein. Einige ihrer Figuren gehen viele Wege, einschließlich von Besuchen solcher Etablissements, wo man sich richtig die Kante geben kann. Zumindest macht das Mirage DeBois. Die Alchemistin ist auf einem Weg der Selbsterkennung, der ganz schnell in einer Sackgasse enden wird. Im + gibt Kathi dazu auch einige Anregungen und Möglichkeiten, nur, müsst Ihr Euch schon selbst auf die Socken machen und den Schwarzmarkt oder andere Regionen zu erkunden, weil Rezepte dazu rückt sie nicht heraus. Sergent Erik Zejn muss reagieren und, um in die Vorhand zu kommen, natürlich agieren. Das Artefakt „Nifs Schwert“ ist verloren, in den Händen von skrupellosen, zwielichtigen Gestalten, die eigene Ziele verfolgen. Tote Menschen marodieren herum. Bandenkriege erblühen in allen Farben. Dazwischen die Garde, die in der Hierarchie der Herrschenden jetzt zwischen die Fronten gerät, da sowohl die oberen, aber auch die unteren Zehntausend plötzlich einen gemeinsamen Schulterschluss machen wollen. Politik und Kriminalität haben den unheimlichen Weitblick erhascht, mit ihren Zielen doch nicht so weit auseinanderzuklaffen. Zejns einzige wirkungsvolle Verbündete, deren Vater?, sagen wir mal lieber, der erzeugende männliche Verwandte, der einzige ist, der das Ritual kennt, das Totenartefakt wieder zur Ruhe zu betten, liegt gerade im Rauschkoma irgendwo herum und, was noch viel schlimmer ist, sie versucht sich, nebenbei sozusagen, als eine kleine Miss Marple, nur leider ohne deren Geistesblitze zu haben. Vertrauen ist ein Wort das hier, recht unleserlich, und dafür auch noch ganz klein geschrieben wird. Jeder Optiker hätte seine wahre Freude daran, das für seine Werbung zu nutzen. Nun ja, die Voraussetzungen für vertrauensvolles Miteinander sind auch nur minimal vorhanden. Wenn man auf einem Scheiterhaufen steht, der einem die Füße schon vorheizt, wo der Körper dann sagt, der Wärme ist genug, und trotzdem wird weiter eingeheizt, ist das wohl eine Erfahrung, auf die man lieber verzichten möchte, sollte und wollte. Ein Freundschaftsgefühl für denjenigen, der das verursacht hat, könnte man dann auch unterdrücken wollen. Keine Frage. Wenn man in einer lebensbedrohlichen Situation steckt, wo jeder Schatten, hinter jeder Ecke zu einem Hinterhalt mutiert, und man erst mal in eine Gegend pilgern muss, die diese Bedingungen geradezu ausbrütet, nur um nach Personen Ausschau zu halten, die einem helfen sollten, und jeder Kasper hier Dir ein Messer in die Rippen rammen will, dann könnte man dieses Kompliment durchaus zurückgeben. Frau Haderer hat doch einen ziemlich schrägen Humor. Sie hat ja auch zwei Katzen. Was sie in ihrem Frühstückskaffee hat? Das würden, wahrscheinlich, so einige Leute gerne wissen wollen. Sie plaudert nicht darüber und wir auch nicht. In das Agentennetz der Garde werden jetzt auch noch Löcher gesprengt, die Undercover-Arbeit wird um einige Zeit zurückgeworfen. Katharina V. Haderer ist wieder voll in ihrem Element. Dazu gibt es einen Elfen, der sich outet. Und der war ganz weit vorne, bis seine geheime Identität jetzt aufgeflogen ist. Damen eines Escort Services, der noch geheimere Ziele verfolgt, da weiß noch keiner, wo sie stehen werden, und viele Untote, die nicht wirklich wissen, was sie tun sollen und deswegen irgendwo herumhängen. Ein Amt für Arbeit brauchen sie ja nicht mehr. Bis der Ruf des Artefaktes in ihre Poren kriecht, benötigen sie keinerlei Unterstützung, zwecks Finanzierung von Unterkunft, Nahrung, Kleidung, medizinischer Versorgung oder beruflicher Weiterbildung. Aber auch Gegner kommen auf den Horizont, und die wissen ganz genau, was sie wollen. Herr Zejn ist wieder auf sich selbst gestellt. Während Frau Katarina sich der erfreulichen Fütterung ihrer Spitzohren widmet, was man als Katzenbeauftragter auch nachvollziehen und befürwortend akzeptieren wird, muss der degradierte Berufssoldat wieder seine Haut zu Markte tragen, und die wird reichlich malträtiert. Manchmal ist es doch schön, wenn man Knechte hat, die einem die Last der Welt von den Schultern nehmen werden, weil sie nicht anders können. Der Schriftsteller ihnen den Weg vorzeigt. Katharina nimmt diese Dienstleistung voll in Anspruch. Über eine Bezahlung müssen wir uns nicht auslassen. Was die Figuren von Frau Haderer verdienen, bekommen sie nicht. Was sie bekommen, das hat keiner verdient. Aber das ist doch, eigentlich, das Schicksal eines jeden Berufssoldaten. Weil er nicht nachfragt? Oder ihm andere Dinge wichtiger sind, die ihm kein Politiker zugestehen würde … Nachdem Katharina ihre Spitzohren gerade kulinarisch, verköstigt hat, gibt sie Signal. Die Frage heißt doch eher, wenn man nicht nachfragt! Und da hat sie mit Sergent Erik genau den Richtigen getroffen.
(Knaur)

ISBN 978-3-426-52526-5 387 Seiten ( mit +) 9,99€ (D) 10,30€ (A)

K.V. HADERER – Das Schwert der Totengöttin – Archiv Aug. 2019